Matador-
Philosophie in der Taubenfütterung!
Wenn
Rassetaubenzüchter ein Zuchtfutter bewerten, dann schauen Sie als erstes auf
den Gehalt an Hülsenfrüchten, welche in den verschiedensten Arten wie
(gelbe, grüne, große, kleine Erbsen) enthalten sind. Die allgemeine Meinung
lautet dann in der Regel: Zuchtfutter mit wenig Hülsenfrüchte kann kein
geeignetes Zuchtfutter sein!
Auch in den
Fachzeitungen ist oft zu lesen, das ein gutes Zuchtfutter mindestens
17% an Roheiweiß
enthalten sollte. Demzufolge werden Mischungen mit einem Anteil von 35 bis
50% an Hülsenfrüchten als gutes Zuchtfutter gelobt.
Unsere Meinung
dazu:
Mischungen mit einem
sehr hohen Anteil an Erbsen, Mais und Sämereien sehen für das Auge der
Züchter schön aus, sind aber nicht zu empfehlen.
Zu den Eiweißen
im Futter sollte man wissen:
Das Eiweiß setzt
sich aus Aminosäuren zusammen! Aminosäuren benötigt der Organismus zum
Aufbau des Knochengerüstes, zur Erhaltung des Körpers, der Muskulatur, der
Organe, Federn und der Haut. Man unterscheidet zwischen zwei
Aminosäurearten:
Die „
nichtessentiellen“ Aminosäuren, welche der Organismus der selbst
synthetisiert und verwertet und die essentiellen Aminosäuren, welche
von außen über das Futter oder sonstiger Beigaben in einem bestimmten
Verhältnis zugefüttert werden müssen. Aus diesem Grund sollte ein
Zuchtfutter möglichst viel essentielle Aminosäuren im richtigen Verhältnis
beinhalten. Wenn beispielsweise nur eine essentielle Aminosäure fehlt, kann
die Taube das angebotene Eiweiß nicht verwerten. Das Eiweiß wird in diesem
Fall über den Kot ausgeschieden und bringt keinen Nutzen! Im Gegenteil, die
Kotmenge wird erhöht und muss dann mit viel Energie abgeführt werden. Die
Folge ist: Träges Wachstum, schlechte Federbildung, Abmagerung, schlechte
Legeleistung und schlechte Eierqualität.
Nach den neuesten
wissenschaftlichen Erkenntnissen benötigt die Taube in Zeiten hoher
Beanspruchung wie der Zucht folgende Aminosäuremengen:
100 mg Isoleusin,
180 mg Ilusin, 300 mg Lysin, 180 mg Mathionin, 180 mg Fenylalalin, 50 mg
Tryptoghaanen, 100 mg Valin per kg Gewicht und Tag.
Aus der Kombination
dieser Aminosäuren bildet die Taube selbst Arginin, Histidin, Glutamin und
Threonin.
Zu dem Roheiweiß
noch folgendes:
Vorweg sollte der
Züchter beim Roheiweiß zu unterscheiden wissen, um was für eine Eiweißangabe
es sich handelt, denn die reine Prozentzahl sagt nur wenig aus. Sollte er
als Beispiel die Zahl 17% Roheiweiß lesen, so sagt Ihm diese Zahl im Grunde
nichts. Wichtig ist die Wertangabe des "verwertbaren Eiweißes" und
diese wird in der Regel nur selten angegeben. Da das nichtverwertbare Eiweiß
nur über die Leber und dann mit dem Kot ausgeschieden wird, muss der
Organismus für diese Verstoffwechselung noch viel zusätzliche Energie
aufwenden, die an anderer Stelle wieder fehlen könnte. Von den
nichtverwertbaren Eiweißen verbleibt zwar ein kleiner Rest im Körper,
welcher aber in Fett umgewandelt wird. Auf dem Transportweg im Blut werden
diese Fette zum Teil in der Blutbahn und in den Zellen abgelagert.
Da es sich um Fette
handelt, die nur langsam abgebaut werden können, sind sie oft der Beginn
einer Verkalkung oder Verfettung.
Hülsenfrüchte im
Zuchtfutter:
Wie schon erwähnt,
werden Futtermischungen mit einem Roheiweißanteil von 35 bis 50% angeboten.
Wenn man davon ausgeht, das 18% Eiweiß ein guter Wert wäre (was wir
bezweifeln) so würde man diesen Wert tatsächlich nur mit 75% Hülsenfrüchten
erreichen.
Berechnungsgrundlage:
Wir wissen
mittlerweile, dass Eiweiße aus Hülsenfrüchte nur bis zu 30% verwertbar sind
und der Rest als Ballaststoff anzusehen ist. Hülsenfrüchte enthalten im
Durchschnitt 22% - 26% Roheiweiß. Wenn also das Futter aus 50% Erbsen
besteht, ergibt dies 12 % Eiweiß und davon sind 30% und damit 4 %
verwertbares Eiweiß.
Beim Vergleich mit
einem Futter, das aus vielen fettreichen Saaten und getosteten Sojabohnen
besteht erkennt man, dass auch dort Gehaltswerte von
50% - 60% erreicht werden. Diese ebenso hohen
Werte sind aber besser verdaulich und belasten somit nicht den Stoffwechsel.
Man erkennt bei einem derartigen Vergleich, das mit 15% Hülsenfrüchte und
viele fettreichen Sämereien Ergebnisse von 8,5% verwertbarem Eiweiß
ohne weiteres erreicht werden können. Dies ist der große Unterschied, wobei
der große Vorteil darin zu finden ist, dass die Tauben dieses Futter viel
besser verwerten können und das die enthaltenen Eiweiße den Organismus viel
weniger belasten, obwohl ein deutlich höherer Wert an verwertbarem Eiweiß
erreicht wird.
Die Brut wird mit
diesem Futter viel schneller heranwachsen und mehr Muskulatur und weniger
Fett ansetzen.
Fazit:
Die oben erläuterten
Begründungen bedeuten für viele Züchter ein totales Umdenken! In der Praxis
ist die Umstellung auf ein derartiges Futter ohne Probleme machbar, denn es
wird nicht ganz auf Hülsenfrüchte verzichtet, nur das Verhältnis verändert.
Zur praktischen
Anwendung folgendes:
Man sollte die
Tauben in der Zuchtzeit 3 - 4 mal am Tag mit solchen hülsenfruchtarmen
Mischungen füttern, damit die Körner sauber aufgenommen werden. Durch
häufigeres Füttern können leicht 10 – 20% an Futter eingespart werden! Die
Erfahrung zeigt aber auch, dass zu viele fettreiche und kleine Sämereien den
Kot dünn machen, da es an Ballaststoffe mangelt. Zu viel Soja fressen die
Tauben dagegen nicht gern, und das Futter wird zu eiweißreich und es
belastet somit den Organismus.
Wichtig ist also,
die richtigen Sämereien in ein gutes Verhältnis zum Getreide und der
Gesamtmischung zu bringen.
Bleibt noch das
Calcium- Problem!
Hülsenfrüchte haben
einen relativ hohen Calciumgehalt. Bei fast allen Getreidearten liegt der
Wert an Calcium deutlich niedriger. Demzufolge sucht die Taube nach
Mineralien. Diese Mineralien sollten gut verwertbar sein und wenig Salz
enthalten, ansonsten führt dies zu dünnem wässrigen Kot. Man sollte auch
darauf achten, dass man Mineralien füttert bei denen der Gehalt an Calcium
höher ist als Phosphor. Die Taube benötigt also viel mehr Calcium als normal
um das Missverhältnis auszugleichen.
Welche
fettreichen Körnerarten sind ideal:
Fettreiche Körner
sollten nach ihrem Omega-Fettgehalt bewertet werden. Ein idealer
Omega-Fettwert von 2 : 1 wäre wünschenswert. Die Werte von Sonnenblumen und
Kardi liegen bei 740 : 1 und sind demzufolge ungeeignet. Derartig hohe
Omega-Werte zerstören die Balance der Mischung total.
Die Folgen sind:
Darm -und Luftwegsentzündungen. Darüber hinaus wird die Leber übermäßig
belastet.
Warum?
Wissenschaftlich ist
erwiesen, wenn sie als Jungtiere schon das richtige Verhältnis an
Omega-Fetten bekommen, ist ihr Erinnerungsvermögen
(Brieftauben) ausgeprägter und die Gelenke sind beweglicher. Das Immunsystem
ist im Vergleich zu anderen vergleichbaren Tieren widerstandsfähiger.