Vereinschronik zum 75. Jubiläum
Im
Januar des Jahres 1910 kamen mehrere Geflügelfreunde in Löhne - Ort zusammen,
um einen Rassegeflügelzuchtverein zu gründen. In der Gründungsversammlung,
die in der Gastwirtschaft „ Alter Krug“, Inhaber Bernhard Baumann
stattfand, trafen sich Karl Krause, Wilhelm Kuhlmann, Wilhelm Nolting, Wilhelm
Heemeier und Wilhelm Döpking.
Die
Anregung zur Vereinsgründung kam von Karl Krause. So lag es nahe, dass
man Karl Krause zum ersten Vorsitzenden wählte. An der nächsten
Versammlung nahmen schon zehn Mitglieder teil. Von der Aktivität des Vereins
zeugt, dass schon am 7. und 8. Mai des Gründungsjahres die erste Geflügelausstellung
stattfand. Eine zweite Ausstellung folgte im selben Jahr am 1. und 2. Oktober.
Die Ausstellungen, verbunden mit einem Preisschießen, waren jeweils im Saale
des Gastwirts Baumann. Für das Preisschießen hatte der Verein zwei Luftgewehre
gekauft. Preise für das Preisschießen gab es im Wert von 120,-- Goldmark. Die
Eintrittskarte zum Besuch der Ausstellung kostete 0,50 Goldmark, dass Standgeld
pro Ausstellungstier betrug 1,-- Goldmark. Für die damaligen Währungsverhältnisse
waren das ganz beachtliche Summen. Daß die ausgestellten Tiere Fußringe zu
tragen hatten, war schon damals eine Selbstverständlichkeit.
In
der Versammlung am 23. Oktober 1910 wurde beschlossen, die Vereinstätigkeit
zwei Jahre zu unterbrechen. Der Grund für diese Unterbrechung ist aus der
Versammlungsniederschrift nicht ersichtlich. Aus den vorgesehenen zwei Jahren
wurde eine Unterbrechung der Vereinstätigkeit von zwölf Jahren. Die lange Zeit
ist sicher bedingt durch die Kriegszeit 1914 bis 1918 und die darauffolgenden
Jahre wirtschaftlicher Misere.
Die
erste Versammlung nach der zwölfjährigen Ruhezeit war am 6. Mai 1922. In dem
Protokoll dieser Versammlung taucht zum ersten Mal der Name „Geflügelzuchtverein
FAUNA, Löhne“ auf. Der Verein nahm seine Tätigkeit mit folgendem
Vorstand auf: Vorsitzender Karl Krause, der Schriftführer Heinrich Schumacher
und Kassierer Fritz Steffen. Es wurde beschlossen, dass jedes neue Mitglied eine
Aufnahmegebühr von 10,-- Goldmark zu bezahlen hat. Der Monatsbeitrag wurde auf
3,-- Goldmark festgesetzt. Die hohen Zahlen mögen etwas verwirren, aber man muß
bedenken, dass dieses sich in einer Inflationszeit abspielte, wie sie
Deutschland bisher nicht wieder erlebt hat. Man rechnete mit Millionen und sogar
mit Billionen.
Daß
in dieser Zeit die Futtermittel schwer zu beschaffen waren, kann man sich gut
vorstellen. So kam man überein, mit anderen Geflügelzuchtvereinen im
Kreisgebiet eine Futtermittteleinkaufsgenossenschaft zu gründen. Die Vertreter
von Fauna Löhne waren Karl Krause, Heinrich Schumacher und Wilhelm Heemeier.
Jeder, der Mitglied dieser Genossenschaft werden wollte, hatte einen Anteil an
100,-- Goldmark zu bezahlen.
In
der Versammlung am 5. August 1922 wird erstmals ein Vorstand der Geflügelzüchter
des Amtes Gohfeld – Menninghüffen erwähnt.
Für
die geplante Vereinsausstellung im Oktober dieses Jahres wurde für
Verlosungsgewinne ein Betrag von 5.000,-- Goldmark zur Verfügung gestellt. Auch
diese Ausstellung war wieder mit einem Preisschießen verbunden. An Einnahmen
brachte die Veranstaltung 34.695,-- GM gegenüber Ausgaben von 28.952,-- GM.
Auch
die Vereinsausstellung im Jahre 1924 war mit einem Preisschießen verbunden. Es
wurde jetzt in einer neuen Währung gerechnet und zwar in der Rentenmark. Für
das Preisschießen gab es als ersten Preis einen Hammel, als zweiten Preis eine
Gans, als dritten Preis einen Hase und als vierten Preis eine Weckuhr.
Fanden
die Ausstellungen bisher im Saal des Gastwirts Baumann statt, so wurde sie im
Jahre 1928 in ein Zelt bei Fricke verlegt. Der Gastwirt Fricke bezahlte die
Miete für ein 400 qm großes Tanzzelt und für ein 200 qm großes
Ausstellungszelt. Die Kapelle der Obernbecker Feuerwehr, die mit 8 Mann zum Tanz
aufspielte, kostete pro Mann und Stunde 1,50 RM.
Am
Ende des Jahres 1929 hatte der Verein einen Mitgliederbestand von 29 Züchtern.
Auf der Ausstellung 1929 des Kreisverbandes Herford, die damals in Bünde
stattfand, war „FAUNA Löhne – Ort“ mit 60 Ausstellungstieren vertreten.
Die
Regierungsübernahme durch die NSDAP im Januar
1933 brachte auch für die Rassegeflügelzüchter einige Neuerungen. Die
Organisationen der Rassegeflügelzüchter wurden zusammengefasst in der „Reichsfachschaft
der Ausstellungsgeflügelzüchter“. Die Bezeichnung
„Vereinsvorsitzender“ wurde geändert in „Vereinsführer“.
Bei Sammlungen für das damals ins Leben gerufene Winterhilfswerk zahlte
der Verein FAUNA Löhne – Ort 5,--
RM.
Da
man den Mitgliedern der Fachschaft größere Kenntnisse in der Geflügelhaltung
zutraute, bekamen sie den Auftrag, die landwirtschaftlichen Geflügelhaltungen
und Geflügelkleinhaltungen zu betreuen.
Die
letzte Versammlung vor dem Kriege war am 22. Juli 1939. Die Vereinsbeiträge
wurden weitergezahlt, soweit nicht ein Mitglied Soldat oder dienstverpflichtet
wurde.
Nach
dem Kriege im Jahre 1946 wurde die Vereinsarbeit wieder aufgenommen unter
Vorsitz von Heinrich Hüske. Vereinslokal war damals wie heute noch die
Gastwirtschaft Fricke auf der Falscheide. Und wieder war, wie in den Jahren nach
1918 die Futtermittelbeschaffen ein großes Problem.
Ab
1968 wurde Heinz-Dieter Müller erster Vorsitzender des Vereins. Er
verstand es, das Vereinsleben zu aktivieren. Auch zur Pflege der Gemeinschaft
wird etwas getan. So findet alljährlich ein Ostereiersuchen für die Kinder und
Enkelkinder der Mitglieder auf dem Spatzenberg, ein Sommerfest auf dem Hofe
unseres Zuchtfreundes Reinhard Vogt und eine Weihnachtsfeier
statt. Auch die Ehefrauen der Zuchtfreunde sind nicht untätig. Sie haben
eine Bastelgruppe gegründet. Die Zusammenkünfte dieser Gruppe sind monatlich
im Wechsel in den Wohnungen der Mitglieder. Um nicht mehr von Lohnbrütereien
abhängig zu sein, kaufte der Verein eine Brutmaschine. Sie ist beim
Vorsitzenden Heinz-Dieter Müller aufgestellt und wird auch von ihm betreut.
Eine
besondere Ehrung wurde unserem Zuchtfreund Hermann Kuhlmann zuteil. Unser
Hermann wurde auf der Nationalen Geflügelausstellung in Dortmund 1980 zum „Ehrenmeister
des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter“ berufen.
So
der Chronist Wilhelm Struckmeier (†
93-jährig 1999) , der 1934 Vereinsmitglied und seit 1936 dessen Schriftführer
wurde. Im Jahre 1983 wurde Wilhelm Struckmeier
mit der „Goldenen Bundesnadel“ ausgezeichnet und 1984
zum „Ehrenmitglied des Landesverbandes“ ernannt.